Fachempfehlung

Ein plötzlicher Herzstillstand kann jeden treffen – nicht nur den Bürger auf dem Weihnachtsmarkt, sondern auch den eigenen Kameraden beim Übungsdienst oder mitten im Brandeinsatz. Der Stress im Einsatz, körperliche Belastung unter Atemschutz, enge Räume, schlechte Sicht, hohe Lautstärke – all das macht den Moment der Reanimation zur echten Herausforderung.

Genau deshalb gibt es jetzt eine neue, praxisnahe Fachempfehlung zur Verwendung von Automatisierten Externen Defibrillatoren (AED) im Feuerwehrdienst. Sie wurde speziell für unsere Arbeitsrealität entwickelt – für Situationen, in denen Sekunden entscheiden und Technik funktionieren muss, ohne viel Nachzudenken.

Diese Empfehlung zeigt klar, was ein AED im Feuerwehralltag können muss:
Er muss unter schwerer Schutzkleidung bedienbar sein, klare und laute Anweisungen geben, auch bei Lärm und Hektik. Er muss erkennen, ob die Herzdruckmassage tief und schnell genug ist – und uns das sofort zurückmelden. Er muss kindgerecht arbeiten können und die Daten des Einsatzes speichern, damit sie später ausgewertet oder weitergegeben werden können.

Vor allem aber: Der AED soll da sein, wenn’s wirklich zählt – für die Menschen, denen wir helfen wollen, und für die, mit denen wir Schulter an Schulter im Einsatz stehen.

Was genau die Fachempfehlung fordert, haben wir euch im nächsten Abschnitt übersichtlich zusammengefasst.

MDR Zulassung

AED-Geräte im Feuerwehrdienst müssen gemäß der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR) zugelassen sein. Diese Zulassung stellt sicher, dass das Gerät alle sicherheits- und leistungsbezogenen Anforderungen erfüllt und den aktuellen Stand der Technik widerspiegelt. Nur mit MDR-Zulassung ist gewährleistet, dass das Gerät langfristig rechtlich nutzbar bleibt – andernfalls droht bei gesetzlichen Änderungen der Entzug der Betriebserlaubnis.

Regelmäßiger Selbsttest

Ein AED muss sich selbstständig in regelmäßigen Abständen überprüfen. Dieser Selbsttest umfasst zentrale Komponenten wie Batterie, Elektrodenanschluss und Funktionsfähigkeit. Nur so kann sichergestellt werden, dass der AED jederzeit einsatzbereit ist – eine manuelle Kontrolle vor jedem Einsatz ist im Feuerwehralltag nicht realistisch.

Automatische Datenübertragung

Moderne AED-Geräte sollen in der Lage sein, die Ergebnisse der Selbsttests automatisch über ein WLAN-Netzwerk an eine cloudbasierte Verwaltungsplattform zu übertragen. Dadurch können Betreiber oder Geräteverantwortliche zeitnah über eventuelle Fehler informiert werden. Diese Funktion erleichtert die Instandhaltung und reduziert das Risiko, mit einem defekten Gerät in den Einsatz zu gehen.

Betriebsbereitschaftsanzeige

Die Betriebsbereitschaft des Geräts muss auf einen Blick erkennbar sein. Eine visuelle Anzeige signalisiert, ob der AED einsatzfähig ist oder ein Fehler vorliegt. Im Störungsfall muss automatisch eine verantwortliche Person benachrichtigt werden – entweder über die Anzeige selbst oder die cloudbasierte Übertragung.

Countdown-Zähler für CPR-Zyklus

Der AED muss während der Reanimation einen Countdown anzeigen, der den aktuellen Zyklus der Herzdruckmassage (z. B. 2 Minuten) visuell darstellt. Diese Funktion hilft Einsatzkräften, den Überblick über den Ablauf zu behalten – gerade unter Stress, Zeitdruck und bei wechselndem Personal. Eine visuelle Orientierung ist besonders wichtig, wenn keine externe Zeitnahme möglich ist.

Echtzeit-Feedback zur CPR-Qualität (Erwachsenen- und Kindermodus)

Der AED muss Rückmeldung zur Qualität der Thoraxkompressionen geben – z. B. Tiefe und Frequenz. Studien zeigen, dass eine Reanimation mit Feedbacksystem die Überlebensrate signifikant steigert. Besonders im Feuerwehrkontext, etwa mit dicken Einsatzhandschuhen oder unter Atemschutz, ist eine visuelle und akustische Rückmeldung zur korrekten Ausführung der CPR unverzichtbar – und sollte auch im Kindermodus verfügbar sein.

Metronom zur Frequenzkontrolle

Ein integriertes Metronom unterstützt die Helfer dabei, die korrekte Frequenz (etwa 100–120 Kompressionen pro Minute) einzuhalten. Es dient als akustischer Taktgeber, was besonders hilfreich ist, wenn mehrere Helfer im Wechsel arbeiten. Auch wenn es allein kein vollständiges Feedback ersetzt, ist es ein wichtiger Bestandteil der CPR-Qualitätskontrolle.

Visuelle und akustische Anleitung

Da Einsätze der Feuerwehr oft unter schwierigen Bedingungen stattfinden – etwa bei Lärm, Dunkelheit oder unter Atemschutz – muss der AED klare Sprachansagen und visuelle Hinweise auf einem Display geben. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Helfer trotz Stress, PSA und Umgebungseinflüssen alle Anweisungen korrekt umsetzen. Die Kombination aus Ton und Bild minimiert die Fehlerquote erheblich.

Datenspeicherung und -weitergabe

Alle während des Einsatzes erfassten Daten – wie EKG, Reanimationsverlauf und Vitalparameter – sollen im Gerät gespeichert werden. Diese Daten können später digital an das Krankenhaus übermittelt oder für ein strukturiertes Debriefing genutzt werden. Eine lückenlose Dokumentation verbessert nicht nur die Patientenversorgung, sondern trägt auch zur Einsatznachbereitung und Qualitätssicherung bei

Umweltspezifikationen

Ein AED im Feuerwehrdienst muss extremen Bedingungen standhalten: Betriebstemperaturen von 0 °C bis 50 °C, Lagertemperaturen von –30 °C bis 70 °C und Luftfeuchtigkeit von 10–95 % (nicht kondensierend) sind erforderlich. Dies stellt sicher, dass das Gerät auch im Fahrzeug, bei Außeneinsätzen oder in kalten Hallen zuverlässig funktioniert. Bei Lagerung im Außenbereich muss ggf. ein wetterfester Schutzkasten verwendet werden, um die Funktionstüchtigkeit zu erhalten.